2 CME
45 min
Hämatologie & Onkologie
Mit freundlicher Unterstützung von:

Zweitlinie beim MCL (Mantelzelllymphom)

Prof. Dr. med. Georg Heß 

Stellvertretender Direktor, Universitätsmedizin Mainz III. Medizinische Klinik und Poliklinik - Hämatologie und Medizinische Onkologie

Prof. Dr. med. Christiane Pott

Stellvertretende Direktorin, Leiterin des Schwerpunktes Lymphome am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Erfahre, wie du das rezidivierte und refraktäre Mantelzell-Lymphom optimal therapierst. Lerne, welche Faktoren bei der Therapieentscheidung eine Rolle spielen, von genetischen Markern bis hin zum Ansprechen auf vorherige Behandlungen. Entdecke die Wirksamkeit moderner Substanzen und erfahre, welche neuen Behandlungsansätze in der Pipeline sind.
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Kurszusammenfassung:

Hinweis: Die Inhalte auf Doctorflix sind ausschließlich für Ärzte und medizinisches Fachpersonal bestimmt. Sie dienen der fachlichen Fortbildung und sind nicht für Laien geeignet.

Das Mantelzell-Lymphom: Eine komplexe Herausforderung im Rezidiv

Das rezidivierte und refraktäre Mantelzell-Lymphom (MCL) stellt eine bedeutende Herausforderung im klinischen Alltag dar. Während die anfängliche Behandlung oft zu einer langen Remissionsdauer führt, sind die meisten Patienten zum Zeitpunkt des ersten Rückfalls bereits deutlich älter, oft über 70 Jahre, und weisen häufig weitere Begleiterkrankungen auf. Dies macht die Therapieplanung komplex und erfordert eine individuelle Herangehensweise. In dieser Fortbildung lernst du, wie du die besten verfügbaren Optionen für deine Patienten auswählst und welche neuen Entwicklungen in der Zukunft eine Rolle spielen werden.

Du wirst verstehen, dass sich die prognostischen Faktoren im Rezidiv verändern. Alter und allgemeiner Zustand sind entscheidend, ebenso wie das Ansprechen auf die vorangegangene Therapie. Ein Patient, der ein spätes Rezidiv nach einer langen Remission erleidet, hat eine andere Prognose als jemand, der während einer Erhaltungstherapie refraktär wird. Zudem ist es von großer Bedeutung, genetische Marker wie Ki-67 und TP53-Mutationen erneut zu bewerten, da sich diese über die Therapielinien hinweg entwickeln und die Aggressivität der Erkrankung widerspiegeln können.

  • Die meisten MCL-Patienten sind bei Erstdiagnose 65 bis 67 Jahre alt, sodass sie bei einem Rezidiv oft über 70 sind.
  • Prognostische Faktoren im Rezidiv sind Alter, der allgemeine Zustand des Patienten (ECOG) und die Dauer der Krankheitskontrolle nach der letzten Therapie.
  • Auch genetische Marker wie der Ki-67 Index und die TP53-Mutation sollten im Rezidiv neu bewertet werden, da sie sich verändern können und auf einen aggressiven Verlauf hinweisen.

Ein Paradigmenwechsel in der Behandlung

Die Einführung von BTK-Inhibitoren hat die Therapie des MCL grundlegend verändert und die Chemotherapie in den Hintergrund gedrängt. Klinische Daten haben gezeigt, dass diese zielgerichteten Substanzen der herkömmlichen Chemotherapie in der Zweitlinie überlegen sind, selbst bei Patienten, die ein spätes Rezidiv haben.

Doch die Forschung geht weiter. Heutzutage spielen Kombinationstherapien eine immer größere Rolle. Die Kombination eines BTK-Inhibitors mit einem BCL-2-Inhibitor führt zu deutlich besseren Ansprechraten und einem längeren progressionsfreien Überleben. Diese Kombination ist vergleichsweise gut verträglich, wenn auch mit substanzspezifischen Nebenwirkungen wie einer höheren Neutropenie-Rate.

Neuartige Ansätze und die Zukunft der Therapie

Für Patienten, die bereits mit einem kovalenten BTK-Inhibitor behandelt wurden und einen Rückfall erleiden, sind neue Optionen gefragt. Hier kommen nicht-kovalente BTK-Inhibitoren wie Pirtobrutinib ins Spiel. Diese Substanzen ermöglichen eine "zweite Runde" der BTK-Inhibition mit guten Ansprechraten und einer relativ guten Verträglichkeit.

Die CAR-T-Zelltherapie hat sich als eine der wirksamsten Optionen für Patienten im zweiten oder weiteren Rezidiv etabliert. Mit Ansprechraten von bis zu 90 % und hohen Raten an kompletter Remission, bietet diese Therapie eine beeindruckende und lang anhaltende Krankheitskontrolle. Jedoch ist diese Therapie nicht für jeden Patienten geeignet, vor allem nicht für ältere Patienten mit Komorbiditäten.

Für diese Patientengruppe und in noch späteren Linien sind andere Optionen relevant:

  • Allogene Transplantation: Dieses Verfahren, früher ein Standard, wird heute seltener angewandt und hat eine hohe Rate an Toxizitäten.
  • Bispezifische Antikörper: Substanzen wie Glofitamab, die T-Zellen rekrutieren, zeigen vielversprechende Ansprechraten, die mit der CAR-T-Zelltherapie vergleichbar sind.

Die Therapielandschaft für das Mantelzell-Lymphom ist im ständigen Wandel. Eine „take-home message“ ist, dass es keine universelle Strategie gibt. Die Entscheidung sollte immer individuell getroffen werden, basierend auf dem Krankheitsverlauf und den Komorbiditäten des Patienten. Das Ziel ist immer, die beste verfügbare Therapie in jeder einzelnen Linie einzusetzen, da der Patient nur zu diesem Zeitpunkt so fit ist. Die richtige Abfolge verschiedener Optionen kann den größten Nutzen für den Patienten bringen und die Hoffnung auf eine lange Krankheitskontrolle aufrechterhalten.



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