2 CME
45 min
Pathologie
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Systemische Mastozytose

Univ.-Prof. Dr. med. Karl Sotlar

Primararzt, Leitung Pathologie Uniklinikum Salzburg
Lerne in dieser Fortbildung, Mastozytosen als myeloische Neoplasien der Mastzellen zu diagnostizieren und zu klassifizieren. Erfahre, welche diagnostischen Kriterien (Haupt- und Nebenkriterien) nach WHO und ICC entscheidend sind. Entdecke, wie die Subtypisierung der systemischen Mastozytosen mittels B- und C-Findings für Prognose und Therapie relevant ist.
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Kurszusammenfassung:

Hinweis: Die Inhalte auf Doctorflix sind ausschließlich für Ärzte und medizinisches Fachpersonal bestimmt. Sie dienen der fachlichen Fortbildung und sind nicht für Laien geeignet.

Die Pathologie der Mastozytosen: Diagnostik und Klassifikation

Du stehst vor der Herausforderung, Mastozytosen als seltene myeloische Neoplasien sicher zu diagnostizieren und korrekt zu klassifizieren. Erfahre in diesem umfassenden Vortrag, wie die aktuelle WHO- und die ICC-Klassifikation aufgebaut sind und welche diagnostischen Kriterien in der Pathologie eine zentrale Rolle spielen.

Erkenne die Krankheitsbilder und ihre Seltenheit: Die Mastozytosen bilden eine eigene Gruppe von Erkrankungen in der WHO-Klassifikation und gehen von neoplastischen Mastzellen aus. Sie sind sehr selten, wobei die Inzidenz auf weniger als eine Person pro 100.000 geschätzt wird. Obwohl die Erkrankung häufig im Kindesalter auftritt, zeigt sie bei Erwachsenen meist einen anhaltenden Verlauf. Du wirst verstehen, dass die Erkrankung oft unerkannt bleibt, insbesondere bei Patienten mit unklaren anaphylaktischen Reaktionen oder systemischen Reaktionen nach Insektenstichen. Das Spektrum der Symptome, von Juckreiz über anaphylaktische Reaktionen bis hin zu Knochenschmerzen, ist ausgesprochen vielschichtig.

Zentrale diagnostische Kriterien: Der Weg zur sicheren Diagnose

Die Diagnostik basiert auf einem Hauptkriterium und vier Nebenkriterien. Lerne, wie du diese Kriterien in der Routine beurteilst.

  • Das Hauptkriterium: Der Nachweis multifokaler, dichter oder kompakter Infiltrate von mindestens 15 Mastzellen in Aggregaten im Knochenmark oder in extrakutanen Organen.
  • Die vier Nebenkriterien der SM:
    • Atypische Mastzellmorphologie: Mindestens ein Viertel der Mastzellen weist einen atypischen, oft spindelförmigen Phänotyp auf.
    • Nachweis von aktivierenden KIT-Mutationen.
    • Aberrante Expression von Markern wie CD2 oder CD25 (IL-2-Rezeptor).
    • Ein erhöhter basaler Serumtryptase-Wert.

Dir wird vermittelt, dass die Pathologie vier der fünf diagnostischen Kriterien histomorphologisch, zytologisch und molekularpathologisch angehen kann.

Vertiefe dein Wissen über Mastzellen-Morphologie und Marker:

Du wirst lernen, neoplastische Mastzellen visuell von normalen Mastzellen zu unterscheiden. Während normale Mastzellen rundlich und reich granuliert sind, sind neoplastische Mastzellen oft spindelförmig und verlieren ihre Granula. Die Immunhistochemie ist dabei unerlässlich, da sie das tatsächliche Ausmaß der Infiltration aufzeigt. Du musst Tryptase und CD117 als Standardmarker zur Identifizierung aller Mastzellen verwenden. Der sensitivste Marker zur Erkennung des neoplastischen Phänotyps ist CD25, der aberranterweise von den Mastzellen exprimiert wird.

Molekulare Diagnostik im Fokus:

Die entscheidende KIT-Mutation D816V ist der Haupttreiber und in den meisten typischen Fällen von systemischer Mastozytose nachweisbar. Du wirst die Bedeutung von sensitiven molekularen Methoden erkennen, da Standard-NGS-Verfahren oft nicht die nötige Empfindlichkeit besitzen. Zudem erfährst du mehr über die Tryptase als Marker, dessen erhöhter basaler Serumwert auch durch eine vererbbare genetische Besonderheit, eine hereditäre Alpha-Tryptasämie (HαT), bedingt sein kann.

Prognose und Therapie: Die Rolle der B- und C-Findings

Die Subtypisierung der systemischen Mastozytosen ist essenziell, da die sogenannten Advanced SM-Formen (aggressive SM, Mastzellleukämie, SM mit assoziierter hämatologischer Neoplasie) eine schlechtere Prognose zeigen. Du musst klinische Informationen (B- und C-Findings) für die korrekte Subtypisierung einbeziehen.

  • B-Findings (Burden of Disease): Indikatoren einer hohen Mastzelllast, zum Beispiel ein hoher Prozentsatz von Mastzellen im Knochenmark oder ein stark erhöhter Serumtryptase-Wert.
  • C-Findings (Cytoreductive Therapy): Anzeichen einer Organschädigung durch Mastzellinfiltration, die eine therapeutische Intervention erfordern, wobei die Schädigung durch Biopsie im betroffenen Organ belegt werden soll.

Anhand dieser Findings kannst du zwischen der reinen Knochenmark-Mastozytose (BMM), der indolenten SM (ISM), der Smoldering SM (SSM) und der aggressiven SM (ASM) unterscheiden. Bei der Mastzellleukämie ist der Nachweis von mindestens 20% atypischen Mastzellen in Knochenmark-Ausstrichen entscheidend.

Die interdisziplinäre Herausforderung und therapeutische Konsequenzen

Dir wird verdeutlicht, dass die Diagnose einer SM mit assoziierter hämatologischer Neoplasie (SM-AHN) eine besondere Herausforderung darstellt, da die eine Komponente die andere maskieren kann. Du wirst sehen, dass in diesen Fällen die Suche nach weiteren Mutationen in anderen hämatopoetischen Linien (z. B. ASXL1, SRSF2, TET2) erforderlich sein kann und prognostische Bedeutung hat.

Takeaways für deine Praxis:

  • Immunhistochemie ist ein Muss: Verwende immer Tryptase, CD117 und CD25. Bei normal aussehenden Mastzellen solltest du auch CD30 in dein Panel aufnehmen.
  • Klinische Korrelation: Die Subtypisierung erfordert die klinischen B- und C-Findings und ist entscheidend für Prognose und Therapie.
  • Zielgerichtete Therapie: Für Fälle der Advanced SM gibt es bereits zugelassene, zielgerichtete Therapien, die auf das KIT-D816V abzielen und die Mastzelllast deutlich reduzieren können.

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