Systemische Mastozytose
Univ.-Prof. Dr. med. Karl Sotlar
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Du stehst vor der Herausforderung, Mastozytosen als seltene myeloische Neoplasien sicher zu diagnostizieren und korrekt zu klassifizieren. Erfahre in diesem umfassenden Vortrag, wie die aktuelle WHO- und die ICC-Klassifikation aufgebaut sind und welche diagnostischen Kriterien in der Pathologie eine zentrale Rolle spielen.
Erkenne die Krankheitsbilder und ihre Seltenheit: Die Mastozytosen bilden eine eigene Gruppe von Erkrankungen in der WHO-Klassifikation und gehen von neoplastischen Mastzellen aus. Sie sind sehr selten, wobei die Inzidenz auf weniger als eine Person pro 100.000 geschätzt wird. Obwohl die Erkrankung häufig im Kindesalter auftritt, zeigt sie bei Erwachsenen meist einen anhaltenden Verlauf. Du wirst verstehen, dass die Erkrankung oft unerkannt bleibt, insbesondere bei Patienten mit unklaren anaphylaktischen Reaktionen oder systemischen Reaktionen nach Insektenstichen. Das Spektrum der Symptome, von Juckreiz über anaphylaktische Reaktionen bis hin zu Knochenschmerzen, ist ausgesprochen vielschichtig.
Die Diagnostik basiert auf einem Hauptkriterium und vier Nebenkriterien. Lerne, wie du diese Kriterien in der Routine beurteilst.
Dir wird vermittelt, dass die Pathologie vier der fünf diagnostischen Kriterien histomorphologisch, zytologisch und molekularpathologisch angehen kann.
Vertiefe dein Wissen über Mastzellen-Morphologie und Marker:
Du wirst lernen, neoplastische Mastzellen visuell von normalen Mastzellen zu unterscheiden. Während normale Mastzellen rundlich und reich granuliert sind, sind neoplastische Mastzellen oft spindelförmig und verlieren ihre Granula. Die Immunhistochemie ist dabei unerlässlich, da sie das tatsächliche Ausmaß der Infiltration aufzeigt. Du musst Tryptase und CD117 als Standardmarker zur Identifizierung aller Mastzellen verwenden. Der sensitivste Marker zur Erkennung des neoplastischen Phänotyps ist CD25, der aberranterweise von den Mastzellen exprimiert wird.
Molekulare Diagnostik im Fokus:
Die entscheidende KIT-Mutation D816V ist der Haupttreiber und in den meisten typischen Fällen von systemischer Mastozytose nachweisbar. Du wirst die Bedeutung von sensitiven molekularen Methoden erkennen, da Standard-NGS-Verfahren oft nicht die nötige Empfindlichkeit besitzen. Zudem erfährst du mehr über die Tryptase als Marker, dessen erhöhter basaler Serumwert auch durch eine vererbbare genetische Besonderheit, eine hereditäre Alpha-Tryptasämie (HαT), bedingt sein kann.
Die Subtypisierung der systemischen Mastozytosen ist essenziell, da die sogenannten Advanced SM-Formen (aggressive SM, Mastzellleukämie, SM mit assoziierter hämatologischer Neoplasie) eine schlechtere Prognose zeigen. Du musst klinische Informationen (B- und C-Findings) für die korrekte Subtypisierung einbeziehen.
Anhand dieser Findings kannst du zwischen der reinen Knochenmark-Mastozytose (BMM), der indolenten SM (ISM), der Smoldering SM (SSM) und der aggressiven SM (ASM) unterscheiden. Bei der Mastzellleukämie ist der Nachweis von mindestens 20% atypischen Mastzellen in Knochenmark-Ausstrichen entscheidend.
Dir wird verdeutlicht, dass die Diagnose einer SM mit assoziierter hämatologischer Neoplasie (SM-AHN) eine besondere Herausforderung darstellt, da die eine Komponente die andere maskieren kann. Du wirst sehen, dass in diesen Fällen die Suche nach weiteren Mutationen in anderen hämatopoetischen Linien (z. B. ASXL1, SRSF2, TET2) erforderlich sein kann und prognostische Bedeutung hat.
Takeaways für deine Praxis: