2 CME
45 min
Urologie
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Prävention von rezidivierenden Harnwegsinfektionen

apl. Prof. Dr. med. habil. Jennifer Kranz, FEBU, MHBA

Facharzt für Urologie, Stellvertretende Klinikdirektorin Klinik für Urologie und Kinderurologie, Uniklinik RWTH Aachen
Lerne in dieser Fortbildung, wie Harnwegsinfektionen gemäß der neuen EAU-Leitlinie klassifiziert werden und welche Risikofaktoren bei prä- und postmenopausalen Frauen besonders beachtet werden müssen. Erfahre, wie du ein Stufenschema zur Prävention rezidivierender Infektionen anwendest, beginnend bei edukativen Maßnahmen bis hin zu nicht-antimikrobiellen Strategien. Finde heraus, welche Bedeutung die Steigerung der Flüssigkeitszufuhr hat und welche nicht-antimikrobiellen Optionen zur Prävention verfügbar sind.
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Kurszusammenfassung:

Hinweis: Die Inhalte auf Doctorflix sind ausschließlich für Ärzte und medizinisches Fachpersonal bestimmt. Sie dienen der fachlichen Fortbildung und sind nicht für Laien geeignet.

Update Harnwegsinfektionen: Neue Klassifikation und effektive Präventionsstrategien

Du erhältst in dieser Fortbildung einen umfassenden und systematischen Überblick über die Prävention von rezidivierenden Harnwegsinfektionen (HWI). Lerne die aktuellsten Entwicklungen der Leitlinien kennen und erfahre, wie du das Rezidivrisiko bei deinen Patientinnen präzise einschätzen und gezielte Maßnahmen einleiten kannst.

Dieser Vortrag richtet sich an dich als Ärztin oder Arzt in der Urologie, Gynäkologie und Allgemeinmedizin, der Patientinnen mit wiederkehrenden HWI optimal behandeln möchte. Du wirst mit den neuen Klassifikationen und dem evidenzbasierten Stufenschema zur Prävention vertraut gemacht, um den Therapieerfolg zu maximieren und Kollateralschäden durch unnötigen Antibiotikaeinsatz zu vermeiden.

Von der Klassifikation zur Risikominimierung

Erfahre zunächst, wie Harnwegsinfektionen gemäß der aktualisierten EAU-Guideline 2024 neu differenziert werden. Die alten Termini "unkompliziert" und "kompliziert" werden durch die lokalisierte Harnwegsinfektion (Zystitis) und die systemische Harnwegsinfektion (wie Pyelonephritis, Prostatitis) ersetzt. Diese Unterscheidung ist essenziell, da die systemischen Formen mit einem höheren Risiko für Progression und Urosepsis einhergehen können.

Du lernst, die alters- und geschlechtsspezifischen Risikofaktoren genau zu identifizieren, da HWI am häufigsten junge, prämenopausale Frauen und hochbetagte, geriatrische Patientinnen betreffen.

  • Bei jungen Frauen spielt beispielsweise der Geschlechtsverkehr eine Rolle.
  • Bei postmenopausalen Frauen sind häufig Senkungszustände (wie eine Blasensenkung/Pulsionszystozele), die zu Restharnbildung führen, oder die atrophische Vaginitis die Ursache.
  • Darüber hinaus können anatomische Anomalien wie ein Harnröhrendivertikel die Rezidivrate erhöhen.

Die körperliche Untersuchung und eine genaue Anamnese sind entscheidend, um diese zugrunde liegenden Faktoren zu erkennen und zu adressieren. Verstehe, wie die Korrektur solcher Zustände (z. B. Senkungszustände durch Pessar oder Operation) die Frequenz der wiederkehrenden Infektionen signifikant reduzieren kann.

Die präzise Risikovorhersage

Dir wird vermittelt, dass wiederkehrende HWI die Lebensqualität stark beeinträchtigen und zu Einschränkungen in der sexuellen Aktivität sowie zu Schlafstörungen führen können. Aus diesem Grund tendieren viele Frauen bereits vor dem Arztbesuch zu Selbstmanagementstrategien.

Um diesen Patientinnen gerecht zu werden, erfährst du mehr über das Lutica-Nomogramm, ein etabliertes Tool zur präzisen Rezidivrisikovorhersage.

  • Es identifiziert Parameter, die zum Risiko beitragen.
  • Dazu gehören beispielsweise der Hormonstatus (lokale Östrogenisierung), die Anzahl der HWI pro Jahr und die Darmfunktion.

Die Nutzung dieses Nomogramms ermöglicht es dir, die Präventionsstrategie bei der individuellen Patientin optimal anzupassen.


Das Stufenschema und nicht-antimikrobielle Strategien

Der Kern der Prävention bildet ein evidenzbasiertes Stufenschema, das du streng einhalten solltest. Dieses beginnt immer mit edukativen Maßnahmen und Verhaltensmodifikationen.

  1. Edukative Maßnahmen: Die wichtigste Empfehlung mit hoher Evidenz ist die Steigerung der Flüssigkeitszufuhr. Du lernst, dass bei Frauen, die wenig trinken, eine Erhöhung der täglichen Trinkmenge über anderthalb Liter das Risiko von rezidivierenden Infektionen nachweislich reduziert.
  2. Nicht-antimikrobielle Prävention: Reicht die Verhaltensänderung nicht aus, stehen dir verschiedene nicht-antimikrobielle Optionen zur Verfügung.

Dir wird ein detaillierter Einblick in die Evidenz dieser Maßnahmen gegeben:

  • Cranberry-Produkte: Ein Review zeigte, dass deren Einsatz die Häufigkeit von HWI und den Antibiotikaeinsatz reduzieren kann.
  • Lokale Hormontherapie: Besonders bei postmenopausalen Frauen kann die Anwendung helfen, den vaginalen pH-Wert zu normalisieren und damit die Infektionsrate zu senken. Du erhältst Sicherheit, dass diese Therapie auch bei Patientinnen mit einer Mammakarzinom-Vorgeschichte sicher angewendet werden kann.
  • Immunmodulation: Du erfährst, dass eine Immunmodulation vor einer antibiotischen Langzeitprävention angeboten werden soll. Dir wird die moderate Wirksamkeit dieser Substanzen aufgezeigt, die im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung die Wahrscheinlichkeit erhöht, kurzfristig frei von HWI zu bleiben.


Fazit & Call-to-Action

Dieser Vortrag stattet dich mit aktuellem Wissen und praktischen Tools aus, um Patientinnen mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen zielgerichtet und leitlinienkonform zu behandeln. Du lernst, die Prävention stufenweise zu gestalten und den Fokus zunächst auf nicht-antibiotische Strategien zu legen. Die Identifizierung von Risikofaktoren und die Nutzung von Scoring-Systemen zur Risikovorhersage sind deine Schlüssel zur erfolgreichen Reduktion der Rezidivrate und zur Optimierung der Lebensqualität deiner Patientinnen.

Jetzt mehr erfahren über die neue Klassifikation und die evidenzbasierten Präventionsstrategien in der Urologie!


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