2 CME
45 min
Gynäkologie und Geburtshilfe
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Biomarker-Testung beim Ovarialkarzinom

Prof. Dr. med. Peter Sinn

Facharzt für Pathologie, Oberarzt Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie, Universitätsklinikum Heidelberg
Erfahre, wie Biomarker die Diagnostik und Therapieplanung von gynäkologischen Tumoren verbessern. Lerne, welche immunhistologischen und molekularen Tests für die Subtypisierung des Ovarialkarzinoms unerlässlich sind und entdecke, wie die standardisierte Testung des Folatrezeptor Alpha die Patientenselektion für moderne zielgerichtete Verfahren optimiert.
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Kurszusammenfassung:

Hinweis: Die Inhalte auf Doctorflix sind ausschließlich für Ärzte und medizinisches Fachpersonal bestimmt. Sie dienen der fachlichen Fortbildung und sind nicht für Laien geeignet.

Entdecke die essenzielle Rolle der Biomarker in der Ovarialkarzinom-Diagnostik


Die präzise Diagnostik und Subtypisierung von Ovarialkarzinomen ist komplex und für die Therapieentscheidung unerlässlich. In dieser Fortbildung erhältst du einen tiefen Einblick in die Methoden und Kriterien, die dir helfen, gynäkologische Tumoren sicher zu bestimmen. Lerne, wie der Fokus der geweblichen Diagnostik auf Resektaten und Biopsiepräparaten liegt. Du erfährst, dass mithilfe formalinfixierter Materialien nicht nur immunhistologische, sondern auch molekulare Techniken wie FISH, Genexpression und NGS durchgeführt werden können.

Der unverzichtbare Werkzeugkasten für die Klassifikation

Die Biomarker spielen sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapieplanung eine zunehmend wichtige Rolle. Die routinemäßige Durchführung immunhistologischer Untersuchungen dient der Klassifikation dieser Tumoren. Du lernst, wie du mithilfe von Markerpanels Ovarialkarzinome von nicht-epithelialen Tumoren, wie Granulosazelltumoren, und insbesondere von Metastasen abgrenzt. Dies ist eine häufige und klinisch entscheidende Fragestellung. Die Sicherung der Tumordiagnose beinhaltet die Absicherung der Diagnose, die Klassifizierung und Subtypisierung sowie den Ausschluss seltener Tumortypen.

Wichtige Unterscheidungen der Tumortypen:

  • Du siehst, dass sich die häufigsten malignen epithelialen Ovarialtumoren – darunter high-grade seröse, low-grade seröse, endometrioide, klarzellige und muzinöse Karzinome – in ihren Expressionspanels deutlich unterscheiden.
  • Du erkennst, dass diese unterschiedlichen Tumortypen nicht nur morphologisch unterschiedliche Subtypen, sondern tatsächlich eigene Entitäten darstellen, die durch ganz spezifische molekulare Profile charakterisiert sind.
  • Erfahre, wie bestimmte Marker wie PAX8, WT1 und P53 eine zentrale Rolle bei der Charakterisierung der verschiedenen Subtypen spielen.


Navigiere durch die prädiktiven Marker zur Therapieoptimierung

Neben den diagnostischen Markern sind die prädiktiven und therapierelevanten Biomarker entscheidend, um therapeutische Zielmoleküle für die zielgerichtete Therapie nachzuweisen. Du erhältst einen Überblick über molekulare Marker wie BRCA1/2 und die HRD-Testung, die routinemäßig beim Ovarialkarzinom durchgeführt werden. Ebenso werden weitere relevante Genmutationen und die Mikrosatelliteninstabilität (MSI) im Rahmen molekularer Panel-Testungen erfasst.

Die Bedeutung des Folatrezeptor Alpha (FR-Alpha)

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Folatrezeptor Alpha, der in den letzten Jahren aufgrund seiner therapeutischen Relevanz in die Routinediagnostik aufgenommen wurde.

  • Lerne, dass der Nachweis einer Überexpression von FR-Alpha die Voraussetzung für die Durchführung einer bestimmten zielgerichteten Behandlung beim platinresistenten Ovarialkarzinom-Rezidiv ist.
  • Du verstehst, dass Tumorgewebe diesen Rezeptor hochreguliert, während normales Gewebe praktisch keine Expression zeigt.
  • Du erfährst, dass der Folatrezeptor-Status routinemäßig beim Rezidiv getestet wird, um eine entsprechende Therapie zu indizieren.

Die Kunst des Scorings: Standardisierung für die klinische Anwendung

Die korrekte Bewertung des Folatrezeptor Alpha erfordert ein standardisiertes Vorgehen. Du lernst das sogenannte PS2+-Scoring-System im Detail kennen, welches in den entscheidenden klinischen Studien zur Anwendung kam. Dieses System beurteilt getrennt die Tumoranteile mit 0, 1+, 2+ und 3+ Expression.

  • Der Befund gilt als positiv, wenn mindestens 75 % der vitalen Tumorzellen eine mäßige (2+) oder starke (3+) membranständige Intensität aufweisen.
  • Die Anwendung dieser standardisierten Methode führt nachweislich zu einer verbesserten Patientenselektion im Vergleich zu einer rein überblickshaften Auswertung.
  • Du weißt, dass sowohl aktuelles als auch archiviertes Gewebe des Primärtumors oder von Metastasen geeignet ist.


Die aktuellen Entwicklungen in der HER2-Diagnostik

Die HER2-Diagnostik ist ein weiteres wichtiges Feld, das nun auch beim Tuboovarialkarzinom an Bedeutung gewinnt. Zwar ist die Testung seit Jahren für andere Tumore etabliert, doch zeigen neue Studien eine klinisch relevante Überexpression bei weiteren Organtumoren, einschließlich gynäkologischer Tumoren.

  • Die Auswertung der Immunhistologie für HER2 erfolgt analog zum Magenkarzinom, da die Färbemuster sich von denen beim Mammakarzinom unterscheiden und noch keine eigenen publizierten Richtlinien für gynäkologische Tumoren vorliegen.
  • Du lernst, dass eine parallele Testung von HER2 und Folatrezeptor Alpha beim rezidivierten Ovarialkarzinom empfohlen wird, da beide Zielstrukturen für gezielte Verfahren relevant sind.
  • Bei einer bestimmten Färbungsintensität (2+) kann eine zusätzliche Untersuchung (ISH) zur Bestätigung einer möglichen Genamplifikation sinnvoll sein.


Ein Blick in die Zukunft der zielgerichteten Tumortherapie

Neben den bereits klinisch etablierten Markern gibt es weitere interessante Zielstrukturen, die du kennen solltest:

  • Hormonrezeptoren: Beim low-grade serösen Ovarialkarzinom kann die Expression von Hormonrezeptoren, insbesondere des Östrogenrezeptors, eine Rolle für alternative Therapieansätze spielen.
  • TROP2, PRAME und Claudin 6: Diese Antigene stellen weitere potenzielle therapeutische Targets dar, für die derzeit klinische Studien laufen. Du erfährst, dass diese Moleküle vielversprechend sind, wenngleich eine immunhistologische Testung hierfür nicht immer zwingend erforderlich ist.

Fazit & Nächste Schritte:

Die immunhistologische Bestimmung von Biomarkern ist ein unverzichtbares Werkzeug für die präzise Typisierung, Subtypisierung und die Identifizierung klinisch nutzbarer Targets. Bleibe dran: Therapien, die auf den Folatrezeptor Alpha und HER2 abzielen, haben erst kürzlich Eingang in die Praxis gefunden und erfordern weiterhin deine Aufmerksamkeit für aktuelle Studien und Auswertungen, um die Testalgorithmen und Indikationen weiter zu festigen.




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