2 CME
45 min
Onkologie
Mit freundlicher Unterstützung von:

Akute myeloische Leukämie (AML)

Prof. Dr. med. Christoph Röllig

Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie, Bereichsleitung Hämatologie, Bereichsleitung Klinische Studien, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Erfahre in dieser Fortbildung, wie die Therapie der akuten myeloischen Leukämie (AML) gesteuert wird. Lerne, warum zwischen intensiven und nicht-intensiven Ansätzen unterschieden wird und welche Kriterien dabei entscheiden. Entdecke, wie das genetische Risiko die Wahl der Post-Remissions-Therapie beeinflusst und welche grundlegenden Behandlungsoptionen bei einem Rezidiv bestehen.
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Kurszusammenfassung:

Hinweis: Die Inhalte auf Doctorflix sind ausschließlich für Ärzte und medizinisches Fachpersonal bestimmt. Sie dienen der fachlichen Fortbildung und sind nicht für Laien geeignet.

AML-Therapie im Fokus: Von der Diagnose bis zum Rezidiv-Management

Du erhältst in dieser Fortbildung einen umfassenden Überblick über die akute myeloische Leukämie (AML). Der Schwerpunkt liegt auf den modernen Behandlungsstrategien. Du lernst die entscheidenden Unterschiede zwischen intensiven und nicht-intensiven Therapieansätzen kennen und verstehst, wie das individuelle genetische Risikoprofil die Wahl der Behandlung maßgeblich beeinflusst.

Dieses CME-Update ist ideal für dich, wenn du in der Hämato-Onkologie tätig bist oder dich für die aktuellen Standards in der Leukämiebehandlung interessierst. Es hilft dir, die komplexen Entscheidungswege bei der AML-Therapie besser nachzuvollziehen und die Prognose von Patienten fundierter einzuschätzen.

Die Weichenstellung: Kriterien für die Therapiestrategie

Zu Beginn der Fortbildung wird die Entstehung der AML beleuchtet. Du siehst, wie multiple Mutationen in einer hämatopoetischen Stammzelle zu einer malignen Transformation führen. Diese Krebszellen überwuchern das Knochenmark und unterdrücken die normale Blutbildung (Hämatopoese). Das Ergebnis sind die oft unspezifischen klinischen Symptome:

  • Anämie (Müdigkeit)
  • Thrombozytopenie (Blutungsneigung)
  • Neutropenie (Infektanfälligkeit)

Die Diagnose wird meist bei einem Nachweis von 20 % oder mehr Blasten im Knochenmark oder Blut gestellt, wobei bestimmte genetische Veränderungen die Diagnose auch bei niedrigeren Blastenwerten erlauben.

Ein zentraler Punkt des Vortrags ist die Unterscheidung zwischen Patienten, die für eine intensive Therapie geeignet sind, und jenen, bei denen dies nicht der Fall ist. Entscheidend sind hier Faktoren wie das biologische Alter, Begleiterkrankungen und der Allgemeinzustand. Bei fitten Patienten ist das Ziel die Heilung. Du lernst den Aufbau der intensiven Behandlung kennen, die mit einer Induktionschemotherapie (oft ein 7+3-Schema) beginnt, um eine komplette Remission (Blasten unter 5%) zu erreichen.


Wie Genetik die Behandlung steuert: Die Post-Remissions-Therapie

Nach erreichter Remission darf die Behandlung nicht stoppen, da es sonst unweigerlich zum Rückfall (Rezidiv) kommt. Es folgt die Post-Remissions-Therapie. Hier lernst du, wie die Genetik der AML-Zellen die wichtigste Weiche stellt:

  • Günstiges Risiko: Patienten mit bestimmten genetischen Markern haben eine hohe Chance, allein durch Chemotherapie eine Langzeitremission zu erreichen.
  • Ungünstiges Risiko: Bei anderen genetischen Veränderungen ist das Rückfallrisiko unter alleiniger Chemotherapie extrem hoch. Hier ist die allogene Stammzelltransplantation die Therapie der Wahl, da sie einen stärkeren antileukämischen Effekt hat, aber auch mit höheren Risiken verbunden ist.
  • Intermediäres Risiko: Hier ist die Entscheidung eine individuelle Abwägung.

Anschließend wird die Option einer Erhaltungstherapie bei bestimmten Risikogruppen diskutiert.

Für einen großen Teil der Patienten, oft ältere oder komorbide, ist eine intensive Therapie zu riskant. Hier kommt die nicht-intensive, meist palliativ ausgerichtete Dauertherapie zum Einsatz. Du erfährst mehr über die Wirkprinzipien der modernen Standardkombinationen, etwa die Hemmung anti-apoptotischer Proteine oder die Nutzung von IDH-Inhibitoren bei passender Mutation. Ein wichtiger Fokus liegt auf der praktischen Therapiesteuerung, um die Wirksamkeit zu maximieren und Toxizität zu managen , inklusive Knochenmarkkontrollen und Dosisanpassungen.


Umgang mit Rezidiven und ein Blick auf seltene Formen

Der Vortrag stellt auch die akute Promyelozytenleukämie (APL) vor. Diese seltene Sonderform ist durch eine spezifische Translokation (15;17) gekennzeichnet und geht oft mit einer starken Blutungsneigung einher. Das Besondere: Die APL hat eine exzellente Heilungsprognose und wird heute oft erfolgreich ohne klassische Chemotherapie behandelt.

Schließlich wird das Management des AML-Rezidivs besprochen, das leider mehr als die Hälfte der Patienten betrifft. Wenn ein kuratives Ziel weiterverfolgt werden kann, ist die allogene Stammzelltransplantation der einzige Weg. Du lernst, welche Optionen (sog. Salvage-Therapien) es gibt, um Patienten in eine erneute Remission als "Brücke" zur Transplantation zu führen. Bei Patienten, die nicht transplantiert werden können, ist das Ziel eine Lebensverlängerung durch palliative Ansätze.



Wichtige Takeaways:

  • Die AML ist eine heterogene Erkrankung, deren Therapieentscheidung stark von Alter, Fitness und Genetik abhängt.
  • Die Unterscheidung in "intensiv" und "nicht-intensiv" ist die erste und wichtigste Weichenstellung.
  • Das genetische Risiko (günstig, intermediär, ungünstig) steuert die Notwendigkeit einer allogenen Stammzelltransplantation in der Erstremission.
  • Neue Therapiestrategien verbessern die Prognose, aber das Rezidiv bleibt die größte Herausforderung.



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